Mittwoch, 22. April 2015

Die Gedanken und das Handeln

- Ich denke also bin ich.
+ Aber nur das handeln macht dich zu einem Menschen.
- Ohne das denken wäre jede Handlung sinnlos.
+ Ich gebe zu das ein sinnfreies Handeln nicht unbedingt eine kluge Entscheidung darstellen würde.
- Kluge Entscheidungen sind ebenfalls mein Metier.
+ Das ist mir bewusst. Doch ist dir auch bewusst, dass deine klugen Entscheidungen ohne jemanden, der sie  in die Tat umsetzt genauso sinnlos sind?
- Das nennt man glaube ich Philosophie
+ Philosophie ist die Sinnlosigkeit des Denkens?
- Nein, es ist der Versuch einen Sinn hinter dem denken zu entdecken - aus dem denken heraus.
+ Das ist mir zu hoch.
- Deshalb bin auch ich für das denken verantwortlich.

- Ich habe da gerade einen Gedankengang.
+ Soll ich ihn in die Tat umsetzen?
- Kommt darauf an...ob er dir gefällt.
+ Dieser Umstand ist meistens die Hürde zwischen denken und handeln.
- Daran merkt man, dass du fürs handeln zuständig bist. Die eigentliche Hürde zwischen denken und handeln heisst Angst. Soll ich dir meinen Gedankengang erläutern?
+ Ich hätte Schwierigkeiten dich daran zu hindern. Du hast mehr Macht.
- Theoretisch gebe ich dir da recht. Doch leider handeln viel zu viele Menschen ohne nachzudenken. Das ist die Kehrseite des Handelns. Würden mehr Menschen denken und erst danach handeln wäre die Welt ein besserer Ort.
+ Das zweifele ich an.Viele Menschen haben extrem dumme Gedanken und ich möchte sie nicht in die Tat umgesetzt wissen.
- Okay, kluges denken ist natürlich vorrausgesetzt.Willst du nun meinen Gedankengang hören?
+ Habe ich eine Wahl?

- Hat der Mensch eine Wahl? Ist ebenfalls ein interessanter Gedanke...aber dazu komme ich vielleicht ein anderes Mal noch zu sprechen. Mein momentaner Gedanke ist: Wie reagiert ein Mensch, wenn ein Gedanke aprubt abgebrochen wird. Wenn er plötzlich im Niemandsland seines Selbst stecken bleibt ohne einen Anhaltspunkt wie es weiter gehen soll?
+ Ich verstehe nicht ganz was du mir damit sagen willst. Gedankengänge reissen doch ständig ab, verändern sich, springen herum, variieren.
- Du begreifst einfach nicht das elementare Prinzip dahinter. Den Kern meiner Aussage. Nehmen wir an du liest einen Text. Diesen hier zum Beispiel.
+ Soweit kann ich dir noch folgen.
- Und nehmen wir an dieser Text wäre ein Gedanke.
+ Okay...
- Wie nehmen wir diesen Gedanken wahr? Wird er im selben Moment, in dem wir ihn realisieren oder in diesem Fall lesen, ein Teil unseres Selbst? Geht er in unser Bewusstsein über? Oder verschwindet er im gleichen Augenblick wieder, fast so als hätte er nie existiert?
+ Ich denke er wird ein Teil von uns...
- Bist du dir sicher? Wir können immer nur im Hier und Jetzt existieren. Niemals in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Alles was wir erleben, alles was wir sehen, hören und lesen ist in dem Moment Vergangenheit, wenn wir es erlebt haben.

+ Du wirst langsam echt anstrengend...
- Das höre ich öfter.
+ Worauf willst du hinaus?
- Existierst du?
+ Ja klar...
- Woher weisst du das?
+ Ich sehe. Ich höre. Ich fühle. Ich atme.
- Wer sagt dir das?
+ Meine Sinne...
- Aber kannst du ihnen trauen? Du erwachtest als du geboren wurdest. Alles was du seitdem wahrgenommen hast wurde dir von aussen gezeigt. Du begannst eines Tages zu denken. Doch warum? Was hat dein Denken ausgelöst?
+ Ich bin ein Mensch. Meine genetische Veranlagung befähigt mich dazu.
- Und woher kommt diese Genetik? Sie existiert auch ohne dich. Wer hat dir gesagt was grün bedeutet?Was eine Tür ist? Was atmen ist? Wieso siehst du diese Welt so wie du sie siehst? Hörst was du hörst?
+ Es wurde mir beigebracht und es ist ein Teil von mir.
- Und woher kommt dieser Teil? Woher weisst du, dass er nicht von ausserhalb kommt? Vielleicht bist du nur ein Gehirn in einem Glas und alles was du bewusst wahrnimmst wird dir eingetrichtert.
+ Das würde ich merken.
- Woran? Du siehst, was man dir zeigt, hörst, was man dich hören lässt, riechst, was man dich riechen lässt,schmeckst, was deinen Geschmacksrezeptoren suggeriert wird,spürst, was man dich spüren lässt. Woher erkennnst du den Unterschied?
+ Ich fühle ihn...
- Wie? Du hast keine Vergleichsmöglichkeit. Du kennst es nur so wie du es wahrnimmst. Deine Gefühle resultieren aus deiner Wahrnehmung.

+ Das ist doch alles nur philosophischer Unsinn und bar jeder Logik...
- Und was ist Logik?
+ Dinge so zu sehen und zu erklären wie sie tatsächlich sind.
- Basierend auf was?
+ Fakten.
- Und woher kommen diese Fakten? Sie kommen aus dieser Welt und wie wir sie wahrnehmen. Doch wenn unsere Wahrnehmung nur aus einer Manipulation heraus entstanden ist, was bedeutet es dann für die Logik?
+ Logik und Fakten sind unumstößliche Tatsachen!
- Basierend auf unserer Wahrnehmung. Wir können alles untersuchen und analysieren. Können Messungen vornehmen, abstrakte Gedankengänge auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen - doch egal was wir tun wir müssen es in unserer Realität tun. Eine Realität die wir aus ihr selbst heraus nicht überprüfen können.
+ Warum nicht?
- Weil uns dazu ein elementarer Baustein fehlt. Die andere Seite der Realität. Die Seite die uns manipuliert und lenkt. Die Seite aus der unsere Wahrnehmung entstammt und wo sie erzeugt wird.
+ Das ist doch Blödsinn. Nur eine Hypothese.
- Natürlich! Doch ist sie deshalb nicht weniger real als alles was wir für real erachten. Wir denken also sind wir. Und womit denken wir?

+ Mit unserem Gehirn!
- Richtig. Und alles was wir erforschen basiert auf unseren Gedanken in unserem Gehirn. Doch wie sollen wir erforschen was in unserem Gehirn vor sich geht nur mithilfe unseres Gehirns?
+ Ich kann dir nicht ganz folgen...
- Nehmen wir an ein Haus hätte ein Gehirn.
+ Absurde Vorstellung - aber okay...
- Das Haus hätte eine ganz klare Vorstellung von der Realität. Es sieht Wände, Türen, ein Dach, Fenster und es findet Erklärungen, analysiert seine Welt, seine Wahrnehmung. Doch nur von innen heraus. Es sieht nicht wo es steht in dieser Welt. Es sieht nicht einmal dass es ausser ihm noch etwas gibt. Wie kann es die Realität in seiner Gänze begreifen, wenn es in seinen eigenen Strukturen gefangen ist?
+ Ich bin mir nicht sicher ob ich dir folgen kann...
- Wir nutzen unser Gehirn, um unser Gehirn zu verstehen. Doch wenn unser Bewusstsein von falschen Prämissen ausgeht, dann können wir uns niemals sicher sein.
+ Kannst du mir einen Gefallen tun...?
- Kommt darauf an.
+ Kannst du dich einfach mal auf unsere Realität einlassen, so wie sie ist? Alles andere übersteigt meinen Horizont.
- Das kann ich dir sogar versichern! Ich habe schliesslich gar keine andere Wahl, als die vorgegebene Existenz zu akzeptieren. Ich kann sie hinterfragen,sie analysieren, kann darüber nachdenken bis mir der Kopf raucht, doch ich kann sie nicht ändern. Sie ist wie sie ist.

+ Und dein Gedankengang von vorhin?
- Nur ein einfaches Konstrukt basierend auf den vorgegebenen Prämissen dieser Realität.
+ Du fängst schon wieder an...
- Und ich höre niemals damit auf solange ich denken kann. Womit wir wieder beim denken sind. Das alles ist übrigens nicht neu. Philosophen, Mathematiker, Dramatiker, Psychologen, viele Filmemacher und Menschen jedweder Art haben sich bereits Jahrhunderte den Kopf darüber zerbrochen.
+ Und haben sie eine Lösung gefunden?
- Dafür gibt es keine Lösung. Alles Sein ist aus sich selbst heraus zum Sein geworden.Wir denken, also sind wir.
+ Klingt irgendwie pessimistisch...
- Warum? Es ändert sich doch dadurch nicht das geringste. Wir sind wer wir sind und nichts anderes. Wir leben, atmen, denken, fühlen und handeln, wie es uns richtig erscheint. Letztendlich spielt es für uns keine Rolle, ob wir real sind, ob unsere Realität so ist, wie wir sie wahrnehmen oder ob wir nur ein Gehirn in einem Glas sind. Alles was wir wahrnehmen ist real, weil wir es als real wahrnehmen.
+ Puh...mein Kopf raucht...


+Du hast vorhin gesagt, dass die eigentliche Hürde zwischen denken und handeln Angst heisst. Wieso bist du dieser Ansicht?
-Menschen haben manchmal kluge Ideen, möchten gerne so viele Dinge machen, möchten anderen Menschen helfen, möchten Fallschirm springen, lauthals singen, sich selbst verwirklichen und alles was sie dazu tun müssen, ist diese Gedanken in die Tat umzusetzen. Sie müssen aus ihren Gedanken ein Handeln machen.
+Und das machen sie nicht...
- ...aus Angst. Ganz genau! Was könnten die anderen sagen? Wie könnte es auf diese Welt wirken? Und wenn etwas passiert? In unseren Gedanken ist alles immer so einfach...
+Ist es aber nicht gefährlich, wenn Menschen ständig ihre Gedanken zu Taten machen?
-Bei einigen Individuen bestimmt...Nehmen wir Psychopathen, Mörder, Tierquäler...Wenn ein Teil des Gehirns fehlerhaft ist, dann kann es durchaus gefährlich werden. Doch meistens sind es Ängste, die viele einfache Tätigkeiten unterbinden. Uns lähmen.
+Phobien...
-...sind auch Ängste. Doch wir haben Einfluss auf unsere Gedanken und infolge dessen auch Einfluss auf unsere Taten.
+Mehr Mut?
-Mehr Mut! Ganz genau! Wir reden, wir warten, wir zögern. Manchmal müssen wir einfach mal das Zaudern lassen und etwas riskieren!

+Und was ist mit deinem Gedankengang vom Anfang?
-Ist immer noch da...
+Kannst du ihn noch einmal kurz zusammenfassen?
-Was ist wenn ein Gedanke plötzlich verschwindet und der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen wird?
+Ich gebe zu ich kann dir immer noch nicht ganz folgen...
-Es wird ein Gedanke aufgeworfen, der einer Erklärung bedarf und plötzlich stoppt dieser Gedanke und man hängt in der Luft. Wie arbeitet dann das Gehirn weiter? Was macht es mit einem? Regt es die Fantasie an? Verändert es die Wahrnehmung?
+Kannst du mir mal ein Beispiel nennen?
-Nimm einfach diesen Text und stell dir vor er ist ein Gedanke.
+Okay...
-Und nun sage ich dir was dieser Text für eine tiefere Bedeutung hat, damit du ihn vollständig verstehst.
+Und dann?
-Dann verstehst du auch was ich mit meinem Gedankengang meine und merkst eventuell die Auswirkungen von denen ich gesprochen habe.

+Und welche tiefere Bedeutung hat dieser Text?
- Ganz einfach :



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